Archiv | August 2016

Fremdes Leben

Fremdes Leben

Klappentext:

„Mach sie tot, mach sie tot!“ Mit diesen Worten im Kopf erwacht eine Frau auf einer Intensivstation. Doch wer hat das gesagt? War sie gemeint? Wer ist sie überhaupt? Fast zwei Jahre soll sie im Koma gelegen haben, doch sie weiß nichts mehr. Den Mann, der sie mit Claudia anspricht und sich als ihr Ehemann Carsten Beermann vorstellt, kennt sie nicht. Auch der erwachsene Sohn, der von seiner leidvollen Kindheit erzählt, ist ihr fremd. Erst als sie sich an einen kleinen Jungen erinnert, der in einer brennenden Wohnung nach seiner Mutter ruft, keimt in ihr ein entsetzlicher Verdacht …

 

Zusammenfassung:

Als Claudia die Augen aufschlägt, kann sie sich an nichts erinnern. Weder wie sie in das Krankenhaus gekommen ist, noch was geschehen ist. Mit der Zeit schleichen sich Bruchstücke in ihre Erinnerung. Keine Angenehmen, denn dann wäre sie eine Mörderin. Die Fremden, die sich als ihren Sohn und ihren Mann vorstellen, bringt sie keine geeigneten Gefühle entgegen. Die Bruchstücke ihrer Erinnerung sind intensiv und Claudia hat Angst. Wenn sie der Wahrheit entsprechen, dann sollte sie beseitigt werden. Claudia erholt sich langsam und fährt zur Reha. Dort versucht ein Psychologe, ihre traumatischen Erinnerungen zu lichten. Sie muss feststellen, dass sie schon seit Jahren von ihrem Mann getrennt lebt. Sie sind allerdings noch nicht geschieden.

Ihr Mann und seine neue Lebensgefährtin helfen ihr und Claudia erhält nach der Reha eine eigene kleine Wohnung. Auch künftig, versucht der Psychologe ihr zu helfen. Allerdings muss er erleben, dass ein Mörder es auf Claudia abgesehen hat.

Durch Zufall kann Claudia ihre lückenhaften Erinnerungen endlich zusammensetzen und muss entsetzt feststellen, dass der Mörder kein Unbekannter ist.

 

Meine Meinung:

Es muss furchtbar sein, keine Erinnerung zu haben! Dein Leben existiert nicht!

 

Mir hat die Geschichte gut gefallen. Es ist ein Krimi, aber auch gleichzeitig ein Thriller. Die Autorin hat die Zwiespalte der menschlichen Seele gut verarbeitet. Aus Angst und gleichzeitiger Gier soll ein Mensch ermordet werden. Aber auch die traumatischen Erfahrungen und Erlebnisse der Protagonistin kommen gut rüber. Ihre Angst, ihre Hoffnung und der Verlust sind glaubwürdig. Ebenso wie sie versucht, wieder am Leben teilzuhaben. Auch das Motiv der Schuld, der Verrat, die Sühne und trotzdem die Vergebung – ist eine ungewöhnliche Mischung und damit war ich am Ende des Buches überrascht. Anstatt Rache – Vergebung! Eine ungewöhnliche Verbindung – Realität und Fiktion der Erinnerung.

Die Geschichte lässt sich übersichtlich lesen, auch der Spannungsbogen ist präsent, da Realität und Fiktion sich erst im Laufe der Geschichte aufklären. Die Dramatik ergibt sich aus den Bruchstücken der Erinnerung.

Der Titel passt hervorragend, ebenso gefällt mir das Cover – es ist doppeldeutig.

 

Fazit:

Eine Geschichte, die nicht nur traumatische Erlebnisse beinhaltet, sondern auch den Umgang mit Schuldgefühlen und dem größten Aspekt – der Vergebung!

Schon dafür gibt es einen Stern!

 

5 Sterne

 

Verlagsgruppe Random House

DIANA Verlag
19,99 € (D)
496 Seiten, Gebundenes Buch mit Schutzumschlag

ISBN: 978-3-453-35893-5

Erschienen: 08.03.2016

Auch als E-Book erhältlich

 

http://www.randomhouse.de/Buch/Fremdes-Leben/Petra-Hammesfahr/Diana/e493575.rhd#\|info

 

Autorin: Petra Hammesfahr wurde mit ihrem Bestseller „Der stille Herr Genardy“ bekannt. Seitdem erobern ihre Spannungsromane die Bestsellerlisten, werden mit Preisen ausgezeichnet und erfolgreich verfilmt, wie „Die Lüge“ mit Natalia Wörner in der Hauptrolle. Zuletzt erschienen: „Die Frau, die Männer mochte“, „An einem Tag im November“ und „Fremdes Leben“.

 

 

 

Advertisements

Die Schwester

Die Schwester

Klappentext:

Ein kleines Mädchen verschwindet. Ihre Mutter und ihre Schwester bleiben zurück. Und werden Jahre später mit einer Wahrheit konfrontiert, die sie ins Herz der Finsternis führt …

Caroline Shipley ist voller Vorfreude, denn ihr Mann Hunter hat sie zur Feier ihres Hochzeitstages in ein Luxushotel in Mexiko eingeladen. Gemeinsam mit ihren beiden kleinen Töchtern reisen sie an und beziehen ihre komfortable Suite. Doch was als paradiesischer Aufenthalt geplant war, wandelt sich zum tiefen Trauma in Carolines Leben, von dem sie sich nie erholen wird – denn eines Abends wird die zweijährige Samantha aus der Suite entführt und bleibt für immer verschwunden. Caroline zerbricht beinahe an dem Verlust und muss sich auch noch den Verdächtigungen der Presse stellen, an der Entführung beteiligt gewesen zu sein. Die Jahre vergehen, und irgendwann gibt Caroline selbst den letzten Funken Hoffnung auf, dass Samantha doch noch am Leben ist. Bis sie eines Tages den Anruf einer mysteriösen jungen Frau erhält, die behauptet, ihre verlorene Tochter zu sein – und damit einen Strudel von Ereignissen auslöst, der Caroline die schockierende Wahrheit darüber offenbart, was wirklich geschah in jener heißen Sommernacht in Mexiko …

 

 

Inhalt:

Caroline ist erstaunt, als ihr Mann sie mit einem Urlaub in einer Ferienanlage in Mexiko überrascht. Sie hatten zwar die Kinder dabei, aber Caroline hofft auf ein paar unbeschwerte Tage. Verwirrt muss sie feststellen, dass nicht nur ihr Bruder mit Frau, sondern auch befreundete Paare ihren Urlaub dort verbringen. Gemeinsam hatten sie die Überraschung geplant und Caroline macht das Beste aus der Situation. Ihren Hochzeitstag muss sie jetzt gemeinsam mit ihnen verbringen, als nur mit ihrem Mann. Als das Kindermädchen nicht wie bestellt eintrifft, überredet ihr Mann sie trotzdem zur Teilnahme am Abendessen. Alle halbe Stunde vergewissern sie sich abwechselnd, dass die beiden Mädchen friedlich schlafen. Als sie das Dinner beendet haben und im Hotelzimmer eintreffen, muss Caroline mit Entsetzen feststellen, dass die jüngste Tochter aus ihrem Bett verschwunden ist. Alle beteiligen sich an der Suche nach der zweijährigen Samanta, aber sie bleibt verschwunden. Die Polizei nimmt die Vermisstenmeldung auf und beginnt zu ermitteln. Die Eheleute versuchen alles, um ihr Kind zu finden. Alle Zeitungen und das Fernsehen berichten über den Fall. Es fällt kein gutes Licht auf Caroline, die ihre Kinder allein in einem fremden Hotelzimmer gelassen hat.

Das Mädchen bleibt trotz intensiven Suche spurlos verschwunden. Die Journalisten geben allerdings nicht auf und bedrängen immer wieder die Familie. Nicht nur Carolines Selbstsicherheit zerbricht, sondern auch ihre Ehe. Allein mit ihrer Tochter Michelle versucht sie einen Neubeginn zu finden, was ihr allerdings nicht gelingt. Sie kann nicht Vergessen!

Nach 15 Jahren meldet sich ein junges Mädchen bei ihr und behauptet ihre Tochter zu sein. Nichts ahnend was die Vergangenheit jetzt ans Licht bringt, nimmt sie die Herausforderung an.

 

Meine Meinung:

Ein virtuos inszeniertes Familiendrama. Die Autorin lässt den Leser bis zum Schluss im Unklaren. Die Spannung besteht nicht aus blutigen Leichen, sondern aus psychologischen Aspekten. Jedes Detail passt mit den einzelnen Abschnitten zusammen. Die Freude auf ein paar unbeschwerte Tage, das Entsetzen als ein Kind verschwindet, das schlechte Gewissen, die Vorwürfe und die Entfremdung der Eheleute. Die Handhabung der Presseleute und wie dadurch ein Mensch in Verruf  kommen kann.

Die Protagonisten und ihre Charaktere sind gut gewählt. Alle müssen innerhalb der Geschichte eine Entscheidung bzw. Wahl treffen.

Der einzige Minuspunkt ist das Nichtvorhandenseins eines Babyfons. In der heutigen Zeit gehört das doch zum Standard.

Ich habe schon einige Bücher von Joy Fielding gelesen. Immer wieder überrascht sie mich. Auch diesmal, denn mit dem Schlussteil habe ich nicht gerechnet.

 

Fazit:

Mir hat der Thriller gut gefallen. Die Autorin hat die menschlichen Abgründe gut aufgezeigt, ebenso wie die Emotionen.

Freunde kann man sich aussuchen – die Familie nicht!

 

 5 Sterne

 

 

Verlag: Goldmann Verlag

€ 19,99 [D]
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag,  448 Seiten

ISBN: 978-3-442-31272-6

Erschienen: 11.07.2016

 

Originaltitel: She’s not there
Originalverlag: Ballantine

 

http://www.randomhouse.de/Buch/Die-Schwester/Joy-Fielding/Goldmann/e376627.rhd

 

Autorin: Joy Fielding gehört zu den unumstrittenen Spitzenautorinnen Amerikas. Seit ihrem Psychothriller „Lauf, Jane, lauf“ waren alle ihre Bücher internationale Bestseller. Joy Fielding lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Toronto, Kanada, und in Palm Beach, Florida.

 

Übersetzung: Kristian Lutze

Etwas bleibt immer

Etwas bleibt immer

Klappentext:

Spätsommer an der Côte d’Azur, eine verwaiste Luxusvilla am Meer und ein junger Housesitter, der nicht ohne Grund die Einsamkeit sucht – doch dann kündigen sich kurzfristig die Hausherren an und bringen schicksalhafte Gäste mit …

Ein atmosphärisch dichter Roman, meisterhaft leicht im Ton und voll psychologischer Spannung.

»Schöner und abgründiger könnten Jekyll und Hyde heute kaum Urlaub machen.« Marion Brasch

»Was für ein Roman, vom Leichten ins Schwere und zurück – ich wollte ab der ersten Seite mitspielen.« Caroline Peters

»Edgar Rai erzählt mit der Leichtigkeit des Flaneurs und hat vom ersten bis zum letzten Wort doch immer den Finger am Abzug: ein starkes Stück literarischer Unterhaltung.« Jochen Rausch

 

 

Meine Meinung:

Nicolas ist als Haussitter an der südfranzösischen Mittelmeerküste beschäftigt. Freunde hat er keine, will er auch nicht. Seinen Langstreckenlauf absolviert er täglich – eine Routine, die er braucht, um seinen Kopf freizubekommen. Langsam findet Agueda mit ihrem Hund einen Zugang zu Nicolas.

Dann kündigt sich der Besitzer an, um seinen Urlaub dort zuverbringen. Er bringt Gäste mit, die allerdings schwer zufriedenzustellen sind. Nicolas Anspannung kehrt zurück und damit löst er eine Lawine der Verwicklungen aus.

 

Der Protagonist ist gut beschrieben. Die Zerrissenheit von Nicolas, seine Kraftprobe gegen sich selbst ist überzeugend und glaubhaft. Das Ambiente ist traumhaft und dennoch steckt der Protagonist in der Kontroverse. Die Zerrüttung einer Persönlichkeit ist mehr als ein Trauma, welches von anderen Menschen nicht anerkannt wird.

Der Autor hat ein Thema verwendet, welches nicht einfach ist, aber er perfekt in die Geschichte integriert hat. Der Spannungsbogen bleibt bis zum Schluss erhalten und destruiert ein emotionales Unterbewusstsein.

Die Geschichte ist keinesfalls düster, sondern transparent.


Fazit:

Mühelos lässt der Autor uns an die Psyche eines Menschen teilnehmen. Krankheit oder Selbstschutz – die Antwort steckt in der Handlung.

Gelungene Darlegung eines Mysteriums, welches Außenstehende nicht nachempfinden können.

 

5 Sterne

 

Verlag: Bloomsbury Verlag Berlin

Seit 01.08.2016 lieferbar

224 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag

ISBN: 978-3-8270-1304-0

€ 18,00 [D], € 18,50 [A], sFr 24,50

 

http://www.berlinverlag.de/buecher/etwas-bleibt-immer-isbn-978-3-8270-1304-0

 

Autor: Edgar Rai, geboren 1967 in Hessen, studierte Musikwissenschaften und Anglistik. Von 2003 bis 2008 Dozent für kreatives Schreiben an der FU-Berlin. Seit 2012 Mitinhaber der Buchhandlung Uslar & Rai in Berlin. Mit seinem Bestseller »Nächsten Sommer« (2010) gelang ihm der Durchbruch als Autor. Außerdem erschienen »Die fetten Jahre sind vorbei« (Roman zum Film von Hans Weingartner 2004) ), »Vaterliebe« (Roman, 2008), »Salto Rückwärts« (Roman, 2010), »88 Dinge, die Sie mit Ihrem Kind gemacht haben sollten, bevor es auszieht« (Sachbuch zus. mit Hans Rath, 2011), »Sonnenwende« (Roman, 2011), »Wenn nicht, dann jetzt« (Roman, 2012) sowie zuletzt »Die Gottespartitur« (2014). Er lebt mit seiner Familie in Berlin.