Motel Life

Motel LifeKlappentext:
Aber an jenem Morgen, als ich die steifgefrorenen Arme des Jungen hinter im Wagen sah, da wusste ich, das Unglück hatte meinen Bruder und mich gefunden. Und wir, wir nahmen das Unglück und banden es uns wie einen Klotz ans Bein. Wir taten das Schlimmste, was man machen kann. Wir liefen weg. Wir stiegen einfach in seinen abgewrackten 1974er Dodge Fury und hauten ab.“

Meine Meinung:
„In der fraglichen Nacht war ich betrunken, fast schon bewusstlos, und ich schwöre bei Gott, ein Vogel hat mir das Motelzimmerfenster eingeschlagen.
So beginnt die Geschichte um zwei Brüder.

Der eine liegt bewusstlos im Bett, noch immer im Vollrausch. Der andere Bruder auch noch alkoholisiert, aber fertig mit den Nerven. Betrunken hat er in der Nacht auf schneeglatter Straße ein Kind überfahren. Traumatisiert legt er den Jungen ins Auto und fährt damit zu seinem Bruder. Er hat nur ein Ziel – er will nicht in den Knast. Sein Bruder Frank versucht zu helfen, aber tut genau das Falsche. Er macht alles zu Bargeld und sie hauen ab. Der Schneesturm macht ihnen jedoch einen Strich durch die Rechnung und sie kommen nicht weit. Unterwegs bekommt Jerry Lee Gewissensbisse und lässt seinen Bruder sitzen. Jerry Lee versucht sich das Leben zu nehmen, aber er bringt es nicht fertig, dennoch schießt er sich ins Bein. Frank besucht seinen Bruder im Krankenhaus. Dieser hat immer noch Angst und will einfach nur noch raus. Das ist nicht so leicht, denn Jerry Lee fehlt schon ein Bein durch einen Unglücksfall. Mit einem Rollstuhl holt Frank ihn ab und sie verschwinden wieder. Jerry Lee bekommt Fieber und sein verletztes Bein entzündet sich. Als Frank seinen Bruder wieder ins Krankenhaus bringt, ist es schon zu spät, er verstirbt.

Ich habe noch nie eine Geschichte gelesen, wo man über die Propagandisten sagt, die haben mitten in den Misthaufen gegriffen. Die Ausweglosigkeit dieser Brüder ist echt traurig. Genauso kommt es aber auch vom Autor rüber. Die ganze Hoffnungslosigkeit wird untermauert mit dem Winter, die Absteige, Beziehungsstress, Geldmangel. Die Sehnsucht nach Liebe wird auf einen Hund übertragen. Dramatik gibt es in dieser Geschichte genügend.

Der Vater der Jungen ein Spieler, nie Geld da. Er verlässt die Familie. Die Mutter versucht mit allen Mitteln, ihre Kinder gut zu erziehen. Das gelingt ihr auch. Jerry Lee zeichnet sehr gern, Frank ist im Baseball gut. Bis das Tragische passiert, dass die Mutter erkrankt und verstirbt. Sie waren vierzehn und sechzehn. Vollkommen aus der Bahn geworfen, versuchen sie das Leben zu meistern, was ihnen aber nicht gelingt. Sie rutschen ab! Den Pensionsfonds der Mutter bringen sie durch. Sie gehen nicht mehr in die Schule, verlieren das Dach über den Kopf und haben keinen, der ihnen hilft. Sie wollen mit einem Zug abhauen, aber Jerry Lee kommt unter die Räder und verliert ein Bein. Keine richtigen Jobs, Beziehungsprobleme, kein Geld. Alkohol lindert den Schmerz und hilft zu vergessen. Dabei wollen beide Brüder doch ein normales Leben führen, aber das Unglück verfolgt sie.
Echt tragisches Schicksal! Natürlich auch eine große Selbstschuld an dieser Misere. Wenn man da drinnen steckt, ist man nur noch frustriert. Aber ein Hoffnungsschimmer hat jeder und so endet auch diese Geschichte.

Denn Hoffnung ist besser als nichts.

Die Geschichte ist in Kapiteln unterteilt. Jedes Kapitel fängt mit einer schwarz/weißen Zeichnung an. Das Buch ist schnell gelesen. Am Ende gibt es ein Nachwort zur Geschichte. Das Cover gefällt mir nicht, passt aber dazu.

Lesenswert!
4 Sterne

Verlag: Berlin Verlag
ISBN: 978-3-8333-0607-5
Taschenbuch: 208 Seiten
Übersetzung: Robin Detje

Autor: Willy Vlautin wohnt in Oregon. Er schreibt nicht nur Geschichten, sondern er macht auch Musik.
http://www.berlinverlag.de/

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